Donnerstag, 6. August 2026

Optimierungswahn

 






Muß ich das Rad neu erfinden?

Pippi sitzt, wie so oft, auf ihrem kleinen Balkon. Gerade hat sie in alten Fotos gestöbert.

Plötzlich bleibt ihr Blick an einem Bild aus dem Jahr 2015 hängen.

„Nanu, das gibt es doch gar nicht“, denkt sie.

„Soso … ich habe mich gar nicht neu erfunden, sondern wiedergefunden.“

Was fasziniert Pippi denn so?

Damals auf einem Ausflug: rote Hose, Jeansbluse, Frau von Stroh, bunte Kette und Madame Coloré.

Und heute?

Wieder auf einem Ausflug – mit roter Hose, Jeansbluse und Frau von Stroh.

„Hm, wie interessant. Irgendwie hatte ich schon damals einen Faible für farbenfrohe Kleidung“, murmelt sie vor sich hin.

Eine Weile betrachtet sie beide Fotos.

„Da stellt sich mir die Frage: Warum habe ich das eigentlich nicht beibehalten?

Ich bin im Mainstream, auf der Jagd nach immer neuen Trends, fast untergegangen. Und das nicht nur in Sachen Mode.

Kleidung, Frisur, Ernährung, Sport – alles sollte ständig optimiert werden. Und wenn ich ehrlich bin, bin ich davon noch immer nicht ganz frei.“

Pippi runzelt nachdenklich die Stirn.

Da meldet sich ganz leise die Stimme von Francia Elegancia.

„Ha! Warum wohl? Es gibt doch immer etwas zu verbessern. Der Fortschritt ist nicht aufzuhalten. Man muss sich anpassen, sonst stirbt man aus wie die Dinosaurier.“

Pippi schüttelt den Kopf.

„Nein, liebe Francia, nicht unbedingt – und schon gar nicht um jeden Preis.

Fortschritt und Mainstream sind zwei verschiedene Paar Schuhe.

Ich muss nicht jedem Modetrend hinterherlaufen. Ich muss auch nicht jeden Hype bei Ernährung, Sport oder Reisen mitmachen.

Ich weiß selbst am besten, welche Kleidung mir steht, welches Essen mir guttut und was zu meinem Leben passt.“

Francia Elegancia hebt eine Augenbraue.

„Also ich finde immer etwas an mir oder meiner Umwelt, das einer Verbesserung bedarf.“

Pippi lächelt.

„Kannst du. Darfst du auch, liebe Francia.

Ich habe mir jedoch vorgenommen, aus dem Hamsterrad auszusteigen.

Leichtigkeit ist mein Monatsmotto. Weniger Perfektion. Mehr ich.

Und wenn ich mir das aktuelle Foto so ansehe, bin ich zufrieden mit mir.

Ich möchte den Fokus wieder aufs Bewahren legen.

Ich bin ich. Und ich bin gut so, wie ich bin.

Informationen und Anregungen hole ich mir weiterhin. Aber ich entscheide selbst, ob und wie ich sie für mich nutze.“

Francia Elegancia schaut noch einmal auf die beiden Bilder.

„Weißt du was? Du hast recht. Eigentlich bin ich auch ganz zufrieden mit mir.“

Sie macht eine kleine Pause, lächelt und sagt:

„Bis auf die Gelassenheit. Doch das wird schon.“

Was lernen wir daraus?

Vielleicht müssen wir das Rad gar nicht ständig neu erfinden.

Manchmal reicht es, zu entdecken, was schon immer zu uns gehört hat.

Weg vom Optimierungswahn.

Jeder Mensch ist gut so, wie er ist – mit allen Ecken, Kanten und ganz eigenen Farben.




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