Mittwoch, 1. April 2026

Gespräche zwischen Kaffee und Kuchen

 


Pippi und Frida – die Sache mit der Geduld

Mittwochnachmittag im Café „Chez Malou“.
Pippi hatte Besuch vom Erdmännchen –
und wie das so ist, wenn es auftaucht:
Es möchte alles am liebsten schon zu vorgestern.
Daraus entwickelt sich ein Gespräch
über die Sache mit der Geduld.

Zeit für ein Gespräch zwischen Pippi und Frida.

Es ist ein herrlicher Frühlingstag.
Die Sonne lacht vom Himmel, Vögel singen.
Selbst Maurice summt fröhlich vor sich hin.
„Bonjour, Frida. Pippi noch nicht da?“

„Nein“, antwortet Frida, „sie wird wohl gleich kommen.
Aber wissen Sie was, Maurice – bringen Sie uns ruhig schon Kaffee und Kuchen.“
Sie macht eine kleine Pause und lächelt verschmitzt.
„Für mich heute auch Latte Macchiato und ein Erdbeertörtchen.“

„Bien sûr, Madame“, erwidert Maurice und verschwindet Richtung Theke.

Da bimmelt das kleine Glöckchen –
und Pippi erscheint in der Tür.
Missmutig und leicht genervt steuert sie auf Frida zu.
„Also ich habe die Nase voll, mir reicht es.
Eine halbe Stunde stand ich vor dem Kleiderschrank und…“

„Einen wunderschönen Tag wünsche ich dir, liebe Pippi.
Setz dich erst einmal hin“, sagt Frida seelenruhig.
„Was gibt es denn heute wieder?
Ich glaube, das Erdmännchen ist im Moment Dauergast.“

Inzwischen hat Maurice die Bestellung gebracht:
zwei Latte Macchiato und zwei Erdbeertörtchen.
Pippi schnappt nach Luft.
„Maurice, meinen Kuchen können Sie gleich wieder mitnehmen.“

Frida hebt eine Augenbraue.
„Nein, lassen Sie ihn bitte da“, sagt sie freundlich.
Dann sieht sie Pippi ruhig an.
„Sag mal, was ist denn in dich gefahren?“

Pippi seufzt und lässt sich auf den Stuhl fallen.
„Ach, ich bin es so leid.
Ich habe vorhin zig Hosen anprobiert – und alle kneifen.
Da mache ich seit vier Wochen wieder WW,
schreibe alles auf, mache Sport, schlafe regelmäßig…
und was passiert?
Nix. Nada. Niente. Null.
Kein Gramm weniger.
Seit Jahren quäle ich mich ab –
was ich nicht schon alles probiert habe…
Ja ja, ich weiß – ich soll Geduld haben.
Aber Geduld war noch nie meine Stärke.
Wenn ich ehrlich bin, finde ich sie ziemlich überbewertet.“

Sie nimmt einen Schluck Kaffee
und schielt sehnsüchtig auf das Erdbeertörtchen.

Frida trinkt ebenfalls einen Schluck
und nimmt ganz genüsslich ein Stück von ihrem Törtchen.
Dann hebt sie leicht die Augenbraue und sagt ruhig:
„Vielleicht ist genau das der Punkt, Pippi.
Du bist einfach zu ungeduldig – und zu streng mit dir selbst.
Versuch doch mal, es nicht so verbissen zu sehen.
In unserem Alter geht manches langsamer.
Mein Motto ist:
Alles in Maßen – nicht in Massen.
Und jetzt iss dein Erdbeertörtchen.“

Dann fügt sie lächelnd hinzu:
„Außerdem wird das Gras nicht schneller grün, wenn man daran zieht.“

Pippi schaut sie erst leicht erbost an –
dann muss sie schmunzeln.
Und isst ihr Erdbeertörtchen.
Weil sie es kann.

Im Café erklingt leise Musik.
Edith Piaf singt:
„Non, je ne regrette rien.“
Draußen geht das Leben weiter.
Menschen eilen vorbei –
kleine, große, schlanke, mollige, elegante, lässige, junge, alte…

Pippi lauscht der Musik und denkt:
Passendes Lied…
Nein – ich bereue eigentlich nichts.
Ja… loslassen.
Neu anfangen.
Das Leben genießen.
Das Gewicht ist nur eine Zahl.
Es sagt nichts über meinen Wert als Mensch aus.

Sie schaut zu Frida und nimmt ihre Hand.
„Weißt du… du hast recht.
Ich sollte wohl wirklich etwas geduldiger werden –
und weniger perfektionistisch.
Und das Leben einfach leichter nehmen.“

Frida lächelt.
„Ja, Pippi. Gute Idee.
Denk an dein Vorbild aus Schweden –
der war es bestimmt egal, ob die Hose etwas zu eng war.
Sie hätte sich einfach eine neue gekauft.“
Dann fügt sie schmunzelnd hinzu:
„Und es gibt ein arabisches Sprichwort:
Geduld und Humor sind zwei Kamele,
die dich sicher durch die Wüste tragen.“
Da müssen beide lachen.

Pippi winkt Maurice zu.
„Zwei Prosecco, bitte.“

Frida schaut sie fragend an.
Pippi lächelt verschmitzt.
„Ich fange jetzt sofort an –
mit Geduld und Leichtigkeit.
Wir trinken darauf.“

Frida schüttelt den lachend den Kopf
"Mensch Pippi, du bist eine Marke. "

Wir stoßen an, genießen noch einen Moment die Leichtigkeit und verlassen schließlich beschwingt das Café.
Madame Malou steht an der Theke, schaut uns nach, lächelt versonnen und denkt:
„Je ne regrette rien.“

Bis nächste Woche im Café "Chez Malou ".
Vielleicht treffen wir uns dort und ihr nehmt Platz an unserem kleinen Tisch im Zwischenraum des Lebens. 

Freitag, 27. März 2026

Morgen

 

Es sind oft die leisen Momente am Morgen,
die uns mehr sagen als ein ganzer Tag voller Gedanken.

Morgen
Alles ruhig
Vögel zwitschern leise
Langsam erwacht das Leben
Tagesanfang

Vielleicht ist genau das genug.

Mittwoch, 25. März 2026

Gespräche zwischen Kaffee und Kuchen

 


Pippi und Frida – Haben Träume ein Verfallsdatum?

Ein weiterer Mittwochnachmittag im Café „Chez Malou“.
Pippi entdeckt ein kleines, leerstehendes Lädchen – und plötzlich ist er wieder da: ein alter Traum.
Gemeinsam mit Frida und Madame Malou stellt sich eine leise Frage:
Haben Träume ein Verfallsdatum?

Mittwochnachmittag im Café „Chez Malou“.
Zeit für ein Gespräch zwischen Pippi und Frida.

Mittwoch, kurz nach 15 Uhr.
Frida sitzt wie immer an dem kleinen Tisch am Fenster, beobachtet das bunte Treiben auf der Straße und wartet auf Pippi.
Da – klingeling, klingeling.
Die kleine Messingglocke über der Tür ertönt und Pippi stürmt herein.

„Hallo Frida“, japse ich und bleibe vor unserem Tisch stehen.
„Du glaubst ja nicht, was ich gerade gesehen habe! In der Kastanienallee – dieser kleine Laden mit Krimskrams… er steht leer! Und plötzlich hatte ich einen Geistesblitz. Weißt du noch… unser Traum von damals?“

„Stopp! Halt!“, ruft Frida und hebt die Augenbraue.
„Mensch Pippi, komm erst einmal an. Setz dich, atme durch – und dann erzähl.“
„Ich glaube, dein Erdmännchen hat heute Ausgang“, sagt sie schmunzelnd.

Etwas pikiert setze ich mich.
Wenig später steht unsere Bestellung vor uns: Kaffee, Latte Macchiato, ein Éclair und ein Erdbeertörtchen.
Ich rühre langsam meinen Kaffee um, nehme einen Schluck und räuspere mich.

„Pardon, Frida“, sage ich zerknirscht.
„Ja… da sind wohl wieder die Pferde mit mir durchgegangen. Heute ist Erdmännchen-Tag. Tausend Ideen im Kopf. Muss der Frühling sein.“

Frida lächelt versonnen.
„Stimmt… ich erinnere mich. Ich wollte Mode entwerfen und verkaufen. Und du hast schon damals wundervolle Gedichte geschrieben und Karten gestaltet. Wir wollten alles in einem kleinen Lädchen zusammenbringen.“
Sie seufzt leise.
„Was ist daraus geworden? Manchmal habe ich das Gefühl… Träume haben ein Verfallsdatum. Und wenn es abgelaufen ist, zerfallen sie zu Staub.“

„Das Leben ist passiert. Ganz einfach das Leben, mes Dames.“
Wir schauen auf.
Madame Malou steht neben unserem Tisch und setzt sich mit einem leichten Lächeln zu uns.
Frida hebt fragend die Augenbraue.

Madame Malou atmet tief ein.
„Ich komme aus einem kleinen Dorf in der Provence. Meine Kindheit habe ich in der Parfümerie meines Onkels verbracht. Diese Düfte… diese kleinen, brodelnden Kolben… alles war Magie. Mein Traum war klar: Ich werde Parfümeurin.“
„Also ging ich nach Paris. Ausbildung, bestanden – und dann kam l’amour.“
Sie lächelt kurz, fast wehmütig.
„Mein Traumprinz brachte mich nach Deutschland. Doch das Märchen hielt nicht lange. Er ging. Und ich stand da – ohne Wohnung, ohne Arbeit, ohne Plan.“
Wir hören still zu.
„Meine Rettung war dieses Café. Erst als Aushilfe, später fest. Die Besitzerin wurde mir wie eine Mutter. Ich zog bei ihr ein… und eines Tages erbte ich alles.“
Jetzt lächelt sie warm.
„Dieses Café wurde mein neuer Traum.
Et voilà – la vie ist nicht immer bunt. Aber es kommt darauf an, was man daraus macht.“
Mit einem leichten Nicken steht sie auf und geht zurück zur Theke.

Wir bleiben nachdenklich zurück.
Ich lasse meinen Blick schweifen.
Wie viele ungelebte Träume sitzen wohl hier im Café –
und gehen draußen auf der Straße an uns vorbei?
Das junge Paar dort drüben.
Der ältere Herr mit seinem kleinen Dackel.
Wovon träumen sie wohl?

Plötzlich streckt mir Frida die Hand entgegen.
„Weißt du, Pippi… ich glaube, Träume haben kein Verfallsdatum. Vielleicht verändern sie sich nur. Vielleicht müssen wir einfach die Perspektive wechseln.“
Sie lächelt mich an.
„Das Leben, das man lebt, in einen Traum verwandeln –
so wie Madame Malou.“

Einen Moment lang ist es still zwischen uns.
Dann sagt sie leise:
„Ich hole heute meine Nähmaschine aus dem Keller.“
Ich lächle zurück.
„Und ich meine Kiste mit dem Tonpapier. Ich richte mir eine kleine Kreativecke ein.“
Wir bezahlen, stehen auf und machen uns beschwingt auf den Heimweg.

Mit einem leisen Gefühl:
Manche Träume warten einfach darauf, wieder gesehen zu werden.

Bis nächste Woche im Café „Chez Malou“.
Vielleicht treffen wir uns dort
und ihr nehmt Platz an unserem kleinen Tisch
im Zwischenraum des Lebens. 🌿☕📖✨

Sonntag, 22. März 2026

Ein kleiner Zwischenraum zum Frühling

 

Frühling 

Am Freitag war kalendarischer Frühlingsanfang.Der Frühling ist meine absolute Lieblingsjahreszeit.Alles grünt, blüht
und sprießt. 
Als kleine Hommage ein Akrostichon:

Zwischen Winter und Neubeginn liegt ein leiser Moment. 

Farbenpracht im ganzen Land 
Rosa,lavendel, buttergelb und flieder
Überall grünt und sprießt es wieder
Himmel erstrahlt in Hellblau
Laue Lüfte wehen durch die Auen
Ich streife das düstere Wintergrau ab
Neue Ideen 
Gedanken reifen leise in meinem Kopf 

"Und manchmal beginnt der Frühling ganz leise in uns."
 

Mittwoch, 18. März 2026

Gespräche zwischen Kaffee und Kuchen

 
 
Pippi und Frida – Gedanken über den Frühling

Es ist wieder Mittwochnachmittag im Café „Chez Malou“.
Heute jedoch macht Pippi etwas Überraschendes – und daraus entwickelt sich ein Gespräch über den Frühling und was er mit uns macht.

Mittwochnachmittag im Café „Chez Malou“.
Zeit für ein Gespräch zwischen Pippi und Frida.

Frida sitzt wie immer an dem kleinen Bistrotisch am Fenster. Sie schaut hinaus und wartet auf Pippi. Aus der alten Lautsprecherbox klingt leise ein Chanson von Édith Piaf.

Plötzlich steht Pippi vor Frida und ruft fröhlich:
„Bonjour ma chère Frida!“
Frida zuckt zusammen.
„Mensch Pippi, erschrick mich doch nicht so!“
Pippi entschuldigt sich lachend und setzt sich. Da steht auch schon Maurice an ihrem Tisch und fragt höflich:
„Bonjour, die Damen – wie immer?“
Frida nickt.
„Ja, wie immer. Kaffee und Éclair mit Pistaziencreme.“
Pippi schüttelt den Kopf.
„Nein, für mich heute einen Latte Macchiato und ein Erdbeertörtchen, bitte.“
Maurice notiert die Bestellung und geht 
beschwingt Richtung Theke.

Frida hebt ihre Augenbraue.
„Pippi, was war das denn eben? Warum etwas Neues?“
Ich antworte schelmisch:
„Es ist Frühling. Alles neu macht der Mai.“
Frida runzelt die Stirn.
„Also ich verstehe heute gar nichts mehr. Und außerdem – nur so nebenbei – es ist März.“
Ich zucke mit den Schultern.
„Ach Frida, nun sei nicht so streng. Dann eben März. Aber es ist Frühling. Schau doch mal raus: Die ersten Krokusse sprießen, die Sonne lacht vom Himmel und die Vögel zwitschern wieder fröhlicher. Die dunklen, schweren Mäntel weichen langsam hellen, luftigen Jacken.
Hach – und ich erwache zu neuem Leben und habe richtig Lust auf etwas Neues. Deshalb 
Latte Macchiato und Erdbeertörtchen.“

Ich schaue Frida neugierig an.
„Und wie ist das mit dir, Frida? Spürst du nicht auch den Frühling und hast Lust auf etwas Neues?“

Da steht plötzlich Madame Malou persönlich an unserem Tisch.
„Voilà, mes dames: ein Kaffee, ein Latte Macchiato, ein Éclair mit Pistaziencreme – und tadaaa, das Erdbeertörtchen.“
Sie lächelt verschmitzt und sagt:
„Ja, manchmal beginnt der Frühling mit einem Erdbeertörtchen.“
Dann zwinkert sie und schwebt graziös davon.

Pippi und Frida hängen beide ihren Gedanken nach und genießen ihren Kaffee und Kuchen.

Frida hebt langsam wieder ihre Augenbraue.
„Also… wenn ich so in mich hineinhorche, spüre ich auch eine kleine Veränderung. Die Tage sind länger, die Luft milder und die Leute freundlicher. Und ja – ich fühle mich auch irgendwie fitter. Erst gestern habe ich die Wintersachen weggeräumt.
Ich glaube, Pippi, du hast recht. Es ist Frühling. Zeit für etwas Neues.“

Wir nicken uns zu und trinken den Rest unseres Kaffees.
Draußen auf der Straße geht das Leben weiter. Eine junge Mutter überquert mit ihren zwei Kindern die Straße. Beide haben ein Eis in der Hand und lächeln selig. Ein junger Mann mit einem bunten Strauß leuchtender Tulpen eilt vorbei – vielleicht auf dem Weg zu seiner Freundin.

Ich lehne mich entspannt zurück und denke tief in mir drinnen:
Ja, es ist Frühling.

Plötzlich sagt Frida:
„Ja, Pippi, du hast recht – es ist Frühling.
Und manchmal beginnt ein neuer Abschnitt des Lebens mit einem anderen Stück Kuchen.“

Und so ist der Frühling ein weiteres Puzzleteil im Zwischenraum des Lebens.

Bis nächste Woche im Café „Chez Malou“.
Vielleicht treffen wir uns dort und ihr nehmt Platz an unserem kleinen Tisch im Zwischenraum des Lebens.

Freitag, 13. März 2026

Pippi und Frida

Pippi und Frida – lachend unterwegs im poppigen Cabriolet.


Pippi und Frida auf Reisen

Im poppigen Cabriolet

Manchmal entstehen Geschichten ganz unerwartet.
Als ich dieses Diamond Painting fertiggestellt hatte, musste ich plötzlich lächeln und hatte einen Geistesblitz.
Zwei Frauen mit silbernen Haaren, großen Brillen und einem knallbunten Cabriolet – und auf einmal war klar: 
Das sind Pippi und Frida.
Fröhlich, ein bisschen verrückt und voller Lebenslust unterwegs.

Und so entstand dieses kleine Zevenaar:

Im poppigen Cabriolet
sitzen Pippi und Frida quietschvergnügt und mopsfidel.
Die silbernen Haare wehen
flatternd im Wind.
Zwei Freundinnen lachen
dem Leben entgegen.
Im poppigen Cabriolet.

Manchmal reicht schon ein kleiner Gedanke, ein Bild oder ein sonniger Moment – und Pippi und Frida machen sich einfach auf den Weg.

Mittwoch, 11. März 2026

Gespräche zwischen Kaffee und Kuchen

 


Pippi und Frida – Die Sache mit der Zeit

Ein ganz normaler Mittwochnachmittag im Café „Chez Malou“.
Doch heute ist Pippi zu spät – und plötzlich geht es um eine Frage, die viele von uns beschäftigt: Läuft uns die Zeit davon?


Mittwochnachmittag im Café „Chez Malou“.
Zeit für ein Gespräch zwischen Pippi und Frida.

Normalerweise sitzt Pippi als Erste an dem kleinen Tisch am Fenster. Doch heute ist Frida die Erste. Sie beobachtet die vorbeihastenden Menschen und hält Ausschau nach Pippi.

„Nanu“, denkt sie. „Wo bleibt Pippi heute?“

Da sieht sie Pippi schnellen Schrittes heraneilen. Wenige Augenblicke später lasse ich mich schwer atmend auf den Stuhl sinken.

„Die Zeit, die Zeit!“, japse ich.

Frida hebt eine Augenbraue und sieht mich fragend an.
Bevor ich antworten kann, stellt Maurice, der junge, nette Kellner, unsere übliche Bestellung auf den Tisch: Kaffee und Éclair mit Pistaziencreme.

Ich trinke einen großen Schluck Kaffee und lege los:

„Frida, mir ist die Zeit davongelaufen. Das geht mir heute schon den ganzen Tag so. Ich glaube, jemand hat die Uhr manipuliert. Überhaupt habe ich das Gefühl, die Zeit vergeht immer schneller. Was meinst du?“

Beide schweigen erst einmal und widmen sich ihrem Kaffee und dem Éclair.

Dann lächelt Frida und antwortet:
„Ach Pippi, vielleicht rennt dir die Zeit gar nicht davon. Ich glaube, das Erdmännchen war heute mal wieder zu Besuch. Du wolltest überall und nirgends sein.“

Ich rühre nachdenklich in meinem Kaffee.

„Na ja, vielleicht auch ein bisschen“, erwidere ich schmunzelnd.
„Doch schau mal, Frida: Je älter ich werde, umso weniger Zeit bleibt mir. Und ich werde immer langsamer. Früher bin ich morgens aufgestanden und zack – ging’s los. Frühstück machen, die drei Männer wecken, Brotdosen packen und, und, und.

Heute… heute brauche ich allein eine Ewigkeit, bis ich eine einzige Sache erledigt habe.“

Frida hebt wieder ihre Augenbraue.

„Pippi, Pippi, du wieder. Das ist doch das Gute am Älterwerden. Wir haben jetzt Zeit. Uns hetzt niemand mehr. Also ich habe manchmal mehr Zeit, als mir lieb ist.“

Beide hängen einen Moment ihren Gedanken nach.

Plötzlich muss ich lächeln.

„Mensch Frida, du bist die Beste. Hast es wieder auf den Punkt gebracht. Früher habe ich gejammert, wie voll mein Terminkalender war und wie wenig Zeit ich hatte. Jetzt jammere ich, dass mir die Zeit davonläuft, weil ich mich immer noch nicht so richtig mit dem Älterwerden angefreundet habe.“

Frida lächelt ebenfalls.

„Ja Pippi, das bist du. Und weißt du was? Ab sofort behandeln wir die Zeit wie ein kostbares Luxusgut. Wir genießen jede einzelne Sekunde.

Um es mit Seneca zu sagen:
Wir haben nicht zu wenig Zeit – wir vergeuden zu viel.“

Ich nicke zustimmend.
Frida hebt ihre Kaffeetasse und nickt ebenfalls.

Ich lehne mich zurück.

Draußen eilt ein Mann vorbei. Eine Aktentasche in der Hand, das Handy am Ohr.

In mir drinnen verspüre ich eine tiefe Dankbarkeit.

Ja, da ist wirklich eine schöne Seite des Älterwerdens:
Zeit zu haben.

Zeit für die Zwischenräume des Lebens.

Bis nächste Woche im Café „Chez Malou“.
Vielleicht treffen wir uns dort und ihr nehmt Platz an unserem kleinen Tisch im Zwischenraum des Lebens.