Brief an Pippi
Ein Nachmittag im Oktober. Es ist ein typischer Herbsttag: grau, nebelig und stürmisch. Nur die bunten Blätter, die im Wind tanzen, bringen etwas Farbe.
Nein, nicht nur die. Da taucht aus der Ferne eine bunte Gestalt auf. Es ist Pippi – in blauer Jeans, pinkfarbener Jacke und passender Mütze. Sie steuert geradewegs auf das Chez Maurice zu. Schwungvoll öffnet sie die Tür und das vertraute Bimmeln der kleinen Ladenglocke ertönt.
Pippi bleibt kurz stehen und lässt die Atmosphäre auf sich wirken. Alles wie immer: Es riecht nach Kaffee, Schokolade, Vanille und Zimt. Die Kaffeemaschine zischt dampfend vor sich hin, Gesprächsfetzen fliegen durch die Luft und Maurice eilt geschäftig hin und her.
Pippi atmet durch und steuert ihren Lieblingsplatz am Fenster an. Ah, zum Glück nicht besetzt!
Da ertönt auch schon ein herzliches: „Bonjour, Pippi! Wir haben dich ja lange nicht gesehen.“
Maurice steht am Tisch und strahlt Pippi an. Pippi nickt lächelnd. „Bonjour, Maurice. Leider war so viel los bei mir in letzter Zeit, doch jetzt komme ich öfter, versprochen.“
„Das Übliche, Pippi?“, fragt Maurice.
„Ja, äh … ach nein, ich nehme lieber eine heiße Schokolade.“
Maurice guckt Pippi fragend an. „Kein Éclair, kein Kuchen?“
Pippi schüttelt den Kopf. „Nein danke, mon cher Maurice, ich muss etwas auf mich achten. Aber vielleicht einen von euren leckeren Keksen.“
Maurice geht und Pippi öffnet ihren Rucksack. Sie holt einen Brief heraus und zieht ein paar hellblaue Briefbögen mit Meer-Motiv hervor. Ein Lächeln huscht über ihr Gesicht. „Ach, Frida …“, murmelt sie.
„Frida?“ Plötzlich steht Maurice mit der heißen Schokolade am Tisch. „Habe ich Frida gehört?“ Er tippt auf die Briefbögen.
„Ja, sie hat geschrieben“, sagt Pippi freudestrahlend.
„Na, dann ist es ja so, als ob sie auch hier wäre“, erwidert Maurice. Er wünscht viel Spaß beim Lesen und geht zurück Richtung Theke.
Pippi trinkt einen Schluck Schokolade und beginnt zu lesen.
Ma chère Pippi,
wie schön, von dir zu lesen! Ich war ganz überrascht, als ich erfahren habe, dass Madame Malou das Café an Maurice übergeben hat – und dann noch eine neue Einrichtung! Du Arme. Ich musste schmunzeln: Ich habe förmlich dein Gesicht vor mir gesehen, mit deinem ganz speziellen Blick, köstlich. Doch du wirst dich daran gewöhnen. Auch ansonsten war ja einiges los bei dir – ich hoffe, du hast alles gut überstanden.
Nun rate mal, wo ich sitze und dir diesen Brief schreibe? Na, genau richtig: in einem süßen kleinen Café! Na ja, eigentlich ist es mehr eine Teestube, total gemütlich eingerichtet mit alten Möbeln und Geschirr. Und weißt du was? Es wird von zwei Freundinnen geführt: Liv und Edda.
Liv ist eine lustige, quirlige Person – sie erinnert mich ein wenig an dich, immer den Kopf voller tausend Ideen. Edda ist mir sehr ähnlich: ruhig, eher im Hintergrund tätig und außerdem eine begnadete Bäckerin. Sie haben auch nicht jeden Tag geöffnet, Montag und Dienstag ist Ruhetag.
Wie du siehst, habe ich deine Idee schon umgesetzt und sitze nun hier ebenfalls am Fenster und schreibe. Auch hier ist es mittlerweile Herbst geworden, die Strandkörbe sind im Winterquartier und die Touristen kommen seltener. Doch ich genieße die Ruhe sehr.
Es ist herrlich, am Meer spazieren zu gehen: Der Wind pustet einen ordentlich durch und die Schaumkronen tanzen auf den Wellen. Wenn man dann wieder zu Hause ist, eine schöne heiße Tasse Tee genießt und gemütlich auf dem Sofa liest … Ich habe übrigens angefangen, wieder zu nähen. Erst musste ich mich etwas einfuchsen, doch mittlerweile klappt es ganz gut. Dann habe ich noch einen netten Kreis gefunden, wo ich mich mittwochnachmittags immer zum Kaffeetrinken treffe.
Wie du siehst, habe ich mich hier gut eingelebt und ich bereue es überhaupt nicht, ans Meer gezogen zu sein. Natürlich vermisse ich dich, unsere Gespräche und unsere tollen Unternehmungen – doch man sollte seine Träume verfolgen, solange man kann.
So, das war es erst einmal für heute. Vielleicht liest du diese Zeilen ja im Chez Maurice, wer weiß?
Ich sage jetzt tschüss, bis zum nächsten Mal!
Ganz liebe Grüße vom Meer,
Deine Frida
Pippi lässt den Brief sinken und wischt sich verstohlen eine Träne aus dem Augenwinkel. Sie blickt versonnen nach draußen und seufzt.
Ach ja, so ist das Leben. Tja, Frida wird wohl nicht wiederkommen, doch ich freue mich für sie. Sie hat es richtig gemacht und ihren Traum verwirklicht.
Vielleicht sollte ich auch anfangen, endlich mehr meine Träume zu leben? Es muss ja nicht gleich ein Umzug sein, ein paar Kleinigkeiten reichen für den Anfang.
Sie trinkt ihre restliche Schokolade aus, bezahlt und macht sich beschwingt auf den Heimweg.
Danke fürs Vorbeischauen im Chez Maurice! 🍂🌿
Verfolgst du deine Träume schon oder wartest du noch auf den richtigen Moment? Lass uns doch bei einer virtuellen Tasse Kaffee darüber austauschen.
Bild KI generiert von ChatGPT

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Schön,das ihr mich besucht habt.Ich freue mich über nette Worte,Neider und Nörgler bitte schweigen.