Drei "Deckel" im Gespräch
Bei Pippi zu Hause hängen an der Garderobe zwei Kappen und ein Strohhut. Sie haben sich einiges zu erzählen.
Es ist ein früher Junimorgen. Die Sonne strahlt vom blauen Himmel. Plötzlich ertönt ein leises Kichern. Es kommt von Rosa, der Kappe mit dem rosa Schirm.
„Nein, das glaube ich nicht! Was ist das denn?“, murmelt sie vor sich hin und kichert weiter.
Davon wird Blaumann, die Kappe mit dem blauen Schirm, wach.
Unwirsch brummt er: „Mensch Rosa, was machst du denn für einen Lärm am frühen Morgen?“
Rosa schaut ihn unschuldig an.
„Oh, sorry! Habe ich dich geweckt? Aber guck mal, was da neben dir hängt! So ein elegantes, buntes Strohhütchen.“
Schon kichert sie wieder.
Entnervt verdreht Blaumann den Schirm.
„Na und? Es ist halt Sommer. Da trägt man eben Strohhut.“
Inzwischen ist auch Frau von Stroh wach geworden.
„Pardon, geht es bitte etwas leiser?“, sagt sie und schaut etwas pikiert unter ihrer Krempe hervor.
Rosa schnaubt empört.
„Also nun tu mal nicht so vornehm. Wir sind hier bei Pippi, da geht es nicht so förmlich zu. Woher kommst du eigentlich? Gestern hingst du noch gar nicht hier.“
Blaumann holt tief Luft und lächelt Frau von Stroh freundlich an.
„Guten Morgen. Ich bin Blaumann und die charmante Kappe neben mir ist Rosa. Etwas unkonventionell, aber das Herz auf dem rechten Fleck.“
Rosa unterbricht ihn grummelnd.
„Ja, ja, schon gut. Genau, ich bin Rosa – etwas verrückt, spontan, aber ganz verträglich.“
Frau von Stroh nickt lächelnd.
„Ich bin Frau von Stroh und wohne eigentlich schon sehr lange hier. Nur hat man mich zu einem Leben im Stoffbeutel mit Stoffblumenkränzen verbannt. Gestern wurde ich endlich wieder hervorgeholt. Ab und zu durfte ich als Karnevalsoutfit oder beim Weltgebetstag mitkommen. Ein ziemlich ödes Dasein. Ich hoffe, meine Verbannung ist nun beendet. Gestern durfte ich sogar auf eine Ausstellung. Ich würde mich sehr freuen, wenn noch viele weitere Ausflüge dazukämen. Meine Trägerin macht jedenfalls einen sehr fröhlichen Eindruck.“
Rosa und Blaumann nicken zustimmend.
Dann schaut Rosa etwas bedröppelt unter ihrem Schirm hervor.
„Du Arme. Das tut mir wirklich leid. Da habe ich es viel besser. Ich bin zusammen mit Blaumann aus Cuxhaven hierher gereist. Dort hingen wir auf einem Ständer auf einer Terrasse. Jeden Tag das Gleiche: morgens raus, abends rein. Unzählige Leute probierten uns an und gingen wieder weiter. Nur der Ausblick auf den Hafen machte das Ganze erträglich.“
Blaumann übernimmt das Erzählen.
„Eines Tages kam ein älteres Ehepaar vorbei und blieb stehen. Er flott und rüstig, sie etwas gehbehindert mit Walkingstöcken – aber ebenfalls flott und irgendwie herrlich lustig. Nach kurzem Überlegen saßen wir plötzlich auf ihren Köpfen. Und genau da begann unser neues Leben.“
Rosa strahlt.
„Schon in Cuxhaven ging es los. Meine neue Besitzerin heißt Petra, wird aber nur Pippi genannt. Sie ist ihrer Namensvetterin wirklich sehr ähnlich: quirlig, spontan, kreativ und immer für eine Überraschung gut. Langweilig wird es mit ihr nie. Allein was wir in Cuxhaven erlebt haben – darüber könnte man ein ganzes Buch schreiben! Aus einem gemütlichen Schiffegucken in Altenbruch wurde plötzlich eine halbe Nordseeexpedition. Und auch hier zu Hause ist immer etwas los. Es ist bunt, lebendig, kreativ und manchmal ein bisschen chaotisch. Ich bin rundum zufrieden.“
Blaumann nickt zustimmend.
„Mein neuer Kopf ist das komplette Gegenteil von Pippi. Eher der Typ Balu der Bär – ruhig, gelassen und gemütlich. Er ist der perfekte Ausgleich zu der quirligen Pippi. Auch ich bin absolut zufrieden.“
Frau von Stroh schaut begeistert unter ihrer Krempe hervor.
„Das hört sich wunderbar an. Da habe ich ja wirklich eine Menge verpasst. Jetzt bin ich gespannt, was ich in diesem Sommer alles erleben werde.“
„Wir drücken dir die Daumen!“, antworten Rosa und Blaumann wie aus einem Mund.
Die drei „Deckel“ beschlossen noch am selben Morgen, beste Freunde für immer zu sein.
Seitdem hängen sie friedlich nebeneinander an der Garderobe und freuen sich auf jeden neuen Tag bei Pippi und Balu.
Und wer morgens ganz genau hinhört, kann manchmal ein leises Kichern, ein gemütliches Brummen und ein sanftes Rascheln vernehmen. Aber pssst ... dieses Geheimnis kennen nur Pippi, Balu und die drei „Deckel“.
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