Mittwoch, 11. März 2026

Gespräche zwischen Kaffee und Kuchen

 


Pippi und Frida – Die Sache mit der Zeit

Ein ganz normaler Mittwochnachmittag im Café „Chez Malou“.
Doch heute ist Pippi zu spät – und plötzlich geht es um eine Frage, die viele von uns beschäftigt: Läuft uns die Zeit davon?


Mittwochnachmittag im Café „Chez Malou“.
Zeit für ein Gespräch zwischen Pippi und Frida.

Normalerweise sitzt Pippi als Erste an dem kleinen Tisch am Fenster. Doch heute ist Frida die Erste. Sie beobachtet die vorbeihastenden Menschen und hält Ausschau nach Pippi.

„Nanu“, denkt sie. „Wo bleibt Pippi heute?“

Da sieht sie Pippi schnellen Schrittes heraneilen. Wenige Augenblicke später lasse ich mich schwer atmend auf den Stuhl sinken.

„Die Zeit, die Zeit!“, japse ich.

Frida hebt eine Augenbraue und sieht mich fragend an.
Bevor ich antworten kann, stellt Maurice, der junge, nette Kellner, unsere übliche Bestellung auf den Tisch: Kaffee und Éclair mit Pistaziencreme.

Ich trinke einen großen Schluck Kaffee und lege los:

„Frida, mir ist die Zeit davongelaufen. Das geht mir heute schon den ganzen Tag so. Ich glaube, jemand hat die Uhr manipuliert. Überhaupt habe ich das Gefühl, die Zeit vergeht immer schneller. Was meinst du?“

Beide schweigen erst einmal und widmen sich ihrem Kaffee und dem Éclair.

Dann lächelt Frida und antwortet:
„Ach Pippi, vielleicht rennt dir die Zeit gar nicht davon. Ich glaube, das Erdmännchen war heute mal wieder zu Besuch. Du wolltest überall und nirgends sein.“

Ich rühre nachdenklich in meinem Kaffee.

„Na ja, vielleicht auch ein bisschen“, erwidere ich schmunzelnd.
„Doch schau mal, Frida: Je älter ich werde, umso weniger Zeit bleibt mir. Und ich werde immer langsamer. Früher bin ich morgens aufgestanden und zack – ging’s los. Frühstück machen, die drei Männer wecken, Brotdosen packen und, und, und.

Heute… heute brauche ich allein eine Ewigkeit, bis ich eine einzige Sache erledigt habe.“

Frida hebt wieder ihre Augenbraue.

„Pippi, Pippi, du wieder. Das ist doch das Gute am Älterwerden. Wir haben jetzt Zeit. Uns hetzt niemand mehr. Also ich habe manchmal mehr Zeit, als mir lieb ist.“

Beide hängen einen Moment ihren Gedanken nach.

Plötzlich muss ich lächeln.

„Mensch Frida, du bist die Beste. Hast es wieder auf den Punkt gebracht. Früher habe ich gejammert, wie voll mein Terminkalender war und wie wenig Zeit ich hatte. Jetzt jammere ich, dass mir die Zeit davonläuft, weil ich mich immer noch nicht so richtig mit dem Älterwerden angefreundet habe.“

Frida lächelt ebenfalls.

„Ja Pippi, das bist du. Und weißt du was? Ab sofort behandeln wir die Zeit wie ein kostbares Luxusgut. Wir genießen jede einzelne Sekunde.

Um es mit Seneca zu sagen:
Wir haben nicht zu wenig Zeit – wir vergeuden zu viel.“

Ich nicke zustimmend.
Frida hebt ihre Kaffeetasse und nickt ebenfalls.

Ich lehne mich zurück.

Draußen eilt ein Mann vorbei. Eine Aktentasche in der Hand, das Handy am Ohr.

In mir drinnen verspüre ich eine tiefe Dankbarkeit.

Ja, da ist wirklich eine schöne Seite des Älterwerdens:
Zeit zu haben.

Zeit für die Zwischenräume des Lebens.

Bis nächste Woche im Café „Chez Malou“.
Vielleicht treffen wir uns dort und ihr nehmt Platz an unserem kleinen Tisch im Zwischenraum des Lebens.


2 Kommentare:

  1. Wieder was neues gelernt . Es ist schön euch beiden zuzuhören. Bis nächste Woche. 🤗

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    1. Vielen Dank.Tja man lernt halt nie aus 😘.Bis nächste Woche wir freuen uns. 🙋‍♀️

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Schön,das ihr mich besucht habt.Ich freue mich über nette Worte,Neider und Nörgler bitte schweigen.