Donnerstag, 5. März 2026

Gespräche bei Kaffee und Kuchen

Mittwoch im Café 

Zwischen Zipperlein und Zuversicht 

Es ist Mittwochnachmittag und ich sitze mit Frida, meiner besten Freundin, in unserem Lieblingscafé „Chez Malou“.

Vor uns eine große Tasse Kaffee und ein traumhaft leckeres Éclair mit Pistaziencreme.

Plötzlich ertönt lautes Geheule vom Nachbartisch. Eine junge Mutter versucht verzweifelt, ihre zwei wilden kleinen Jungs zu bändigen. Ein Glas Apfelsaft fällt polternd zu Boden und die arme Mama wird immer nervöser.

Frida und ich schauen uns wortlos an.

Wir denken beide das Gleiche.

„Weißt du noch, Pippi?“, sagt Frida schließlich. „Uns ging es ähnlich, als wir in ihrem Alter waren.“

Immer diese Hektik. Immer diese Verantwortung. Immer gebraucht werden. Tag für Tag, Woche für Woche – und das über Jahre.

„Ja“, seufze ich. „Weißt du, Frida, ich kam mir damals oft vor wie ein Erdmännchen in seinem Bau. Immer aufrecht, immer nach möglichen Gefahren Ausschau haltend.“

Frida lacht leise und nickt.

„Genau so war es.“

„Und heute?“ frage ich und nehme einen Schluck Kaffee.

Frida hebt eine Augenbraue. „Heute plagen uns andere Baustellen.“

Abwechselnd zählen wir auf: Hörgerät, neues Knie, neue Hüfte, Brille, Rollator … und noch einiges mehr.

„Hören wir lieber auf“, sagen wir schließlich beide fast gleichzeitig, „sonst kriegen wir noch schlechte Laune.“

Eine Weile sitzen wir schweigend da und lassen unsere Gedanken treiben.

Dann sagt Frida plötzlich:

„Weißt du, im Prinzip geht es uns doch gut. Wir haben endlich Zeit für uns. Keine Vergleiche mehr. Weniger Erwartungen. Und den Mut, Dinge einfach für uns zu tun.“

Ich nicke langsam.

Und doch denke ich manchmal, dass Älterwerden weniger Leben bedeutet.

Frida lächelt.

Ich sehe sie fragend an. „Bist du anderer Meinung?“

Sie lächelt wieder, ganz ruhig.

„Ich glaube, es ist einfach ein anderes Leben. Wir können immer noch vieles machen – nur eben langsamer.“

Wir sitzen noch eine Weile da und beobachten die Menschen draußen auf der Straße.

Am Nebentisch ist es inzwischen ruhiger geworden.

Die junge Mutter zieht ihrem kleineren Sohn die Jacke an, während der Große geduldig danebensteht.

Ich lächle.

Früher war das einmal unser Leben.

„Weißt du, Frida“, sage ich schließlich, „vielleicht sind wir einfach im besten Zwischenraum unseres Lebens angekommen.“

Frida hebt ihre Kaffeetasse und nickt.

Draußen gehen die drei Hand in Hand über den Bürgersteig.

Ich lehne mich zurück und spüre eine leise Zufriedenheit.

Denn das Glück liegt nicht im Außen.

Es liegt tief in uns selbst.

 


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Schön,das ihr mich besucht habt.Ich freue mich über nette Worte,Neider und Nörgler bitte schweigen.