Das Geheimnis im Blätterwald:
Tilla und die Farben der Fantasie
Es war einmal mitten in einem dichten, geheimnisvollen Urwald, in dem die Blätter nicht einfach nur grün waren, sondern in den zartesten Pastellfarben leuchteten. Genau hier lebte Tilla, eine Elefantendame, die so gar nicht aussah wie die anderen Elefanten – und genau das war ihr Problem.
Während ihre Herde in sanftem Grau durch den Dschungel zog, trug Tilla ein ganz besonderes Geheimnis auf ihrer Haut: Ihr Körper war ein wundersames Kunstwerk aus verschlungenen Linien, filigranen Ornamenten, leuchtenden Blumen und feinen Blütenblättern. Doch das machte sie in den Augen der anderen zur Außenseiterin. Selbst ihre Mutter Asta verstand überhaupt nicht, wie sie so einen Elefanten bekommen konnte. Das ließ sie Tilla natürlich auch immer spüren.
„Meine Güte noch mal, wieso bist du eigentlich so anders als die anderen? Musst du denn immer auffallen?“ Das waren noch die harmlosesten Sätze, die Tilla zu hören bekam.
Und als wäre das nicht genug, war Tilla auch noch mit einer blühenden Fantasie ausgestattet. Sie liebte es nämlich, Geschichten zu erzählen. Das gefiel den anderen Elefanten eigentlich ganz gut; sie fragten immer: „Tilla, erzähl uns doch heute noch eine Geschichte, bitte!“
Aber Mutter Asta verdrehte schon wieder die Augen: „Nein, dieses Kind, überall fällt man damit nur auf!“
„Ach warum denn, nun lass sie doch, sie erzählt doch so schöne Geschichten!“, wandte man ab und zu ein. Doch das war nicht im Sinne von Mutter Asta. Sie versuchte immer wieder, Tilla umzuerziehen. Diese Fantasie passte ihr gar nicht in den Kram – nein, wie fürchterlich!
Zudem war Tilla sehr zart besaitet. Ach, und das passte Mutter Asta natürlich erst recht nicht! Dann ging es wieder los:
„Meine Güte noch mal, jetzt stell dich doch mal nicht so an, reiß dich doch zusammen! Was sollen denn die anderen Elefanten von dir denken? Du benimmst dich überhaupt nicht wie ein Elefant. Wo kommst du eigentlich her?“
In solchen Momenten war Tilla immer todtraurig. Sie versteckte sich dann hinter dem großen, dicken Mammutbaum und verdrückte ein paar Tränen. Dann beugten sich ein paar Äste des Mammutbaums tröstend zu ihr herunter:
„Nimm dir das doch nicht so zu Herzen, liebe Tilla. Du bist wunderschön und du bist gut so, wie du bist.“
„Nein, bin ich nicht“, schnaufte Tilla dann. „Ich bin nicht normal und ich bin auch kein richtiger Elefant. Guck mich doch an, wie ich aussehe, ich falle doch immer auf!“
„Ach was, das ist doch schön, dass du auffällst...“, versuchte der Baum sie zu ermutigen.
Doch eines Tages beschloss Tilla, einfach wegzulaufen. Sie hatte genug. Sie sagte sich: „Ich passe sowieso nicht hierher, also kann ich auch gleich gehen.“ Und damit machte sie sich auf den Weg. Sie wollte erkunden, woher all das eigentlich kam. Wer konnte ihr da helfen? Das wusste Tilla zwar noch nicht genau. Sie wusste nur, dass sie aus diesem Dschungel raus musste – und sie wusste auch schon wohin.
Sie wollte ans Meer. Sie hatte gehört, am Meer würden ganz tolle Meeresjungfrauen leben, und die wären ja so weise und so schlau. Genau zu denen wollte Tilla sich auf den Weg machen...
Manchmal muss man den Ort verlassen, an dem man sich fremd fühlt, um herauszufinden, wie bunt das eigene Leben wirklich sein kann. Für Tilla begann genau in diesem Moment die Reise ihres Lebens – hinein in die Zwischenräume der Welt.
Hattest du auch schon einmal das Gefühl, nicht ganz ins Bild zu passen – und musstest erst vertraute Wege verlassen, um deinen eigenen Platz zu finden? Ich würde mich freuen, wenn du deine Gedanken dazu in den Kommentaren mit mir teilst.
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