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Samstag, 31. Oktober 2026

Bildgedanken zum Monatsende


 

31 Tage voller Leben

Donnerstagnachmittag, 16 Uhr. Pippi sitzt an ihrem Schreibtisch. Draußen dämmert es ganz allmählich, während ihr Lieblingsbaum am Fenster golden schimmert. Bald ist sein Blätterkleid passé und nur seine kahlen Äste halten Winterruhe. In Pipis Zimmer verbreiten ein paar Kerzen einen Hauch von Gemütlichkeit. Es wirkt alles so idyllisch, doch Pippi seufzt. Zwei Tage noch, dann ist der nächste Monat im Jahreslauf Geschichte.

Wo ist die Zeit geblieben? Wo die vergangenen Tage? Pippi seufzt wieder. Was habe ich diesen Monat eigentlich erreicht? Konnte ich viele Goldmomente erleben?

Pippi scrollt durch ihre Bilder. 


Ach guck, da sind sie, die Goldmomente – nicht viele, aber dafür umso kostbarer. 

Da ist unser Ausflug nach Bad Sassendorf: wir zwei, ganz gemütlich auf der Bank. Und dort, ich auf dem Wackelbrett – meine Güte, was hatte ich für einen Spaß! 

Hier der besondere Tag, an dem ich mutig mit dem Rollator im Zug unterwegs war. Ich war auf dem Weg nach Hamm zum Tierpark, wo mein Sohn und ich einen wunderschönen Mutter-Sohn-Tag verbrachten. Tiere beobachten, gute Gespräche, lachen, Spaß haben und ein leckeres Picknick – der Rollator wurde zum Picknicktisch. Luxus pur.

Ach ja, kreativ war ich auch: ein neues Diamond-Painting-Projekt, viele schöne Morgen- und Abendgrüße. Na guck, Kuchen wurde auch gebacken. Und das Beste zum Schluss: zwei neue Bewohner auf dem Blog und ihre Geschichte – Tilla und Milan.

Natürlich präsentierte sich auch die Natur von ihrer schönsten und farbenfrohen Seite, und die Wolken zeichneten fantastische Bilder in den Himmel. 

Pippi hält verwundert inne. Das hätte ich jetzt nicht gedacht, murmelt sie erstaunt. So viele schöne Dinge. Irgendwie kam mir der Oktober sehr unruhig vor, mit vielen dunklen Momenten. So kann man sich irren.

Sie lächelt zufrieden. Na Oktober, da haben wir zwei ja ganz schön was erlebt. Von heiter über stürmisch bis wolkig – alles dabei. Ich danke dir für jeden einzelnen Tag und packe dich jetzt in das Schatzkästchen der Erinnerungen.

Tschüss Oktober, mach's gut.


Freitag, 30. Oktober 2026

Tilla


 


Die Meerjungfrau, die keine war

Als das erste Sonnenlicht seine zackigen Strahlen auf die kleine Lichtung warf, wachte Tilla auf. Wo waren die anderen Elefanten? Wo Mama Asta? Doch dann fiel es ihr wieder ein. Sie war ja gar nicht mehr im Dschungel. Sie war auf dieser hübschen Lichtung gelandet, bei Milan, dem bunten Hirsch mit dem goldenen Gürtel. Und sie wollte zu den weisen Meerjungfrauen, zusammen mit Milan.

Tilla stupste den noch schlafenden Milan mit ihrem Rüssel an. „Wach auf, wach auf, Milan!“, rief sie aufgeregt. Milan blinzelte und gähnte ausgiebig. „Na, du Krawalltüte, was ist das für ein Lärm am frühen Morgen?“, brummelte er etwas missmutig. „Du musst aufstehen, jetzt!“, wurde Tilla ungeduldig. „Wieso? Brennt es? Ich rieche nichts.“ Milan erhob sich behäbig. Tilla platzte bald vor lauter Nervosität. „Nein, das nicht, aber wir wollten doch ans Meer zu den weisen Meerjungfrauen.“ „Ja, ja, gemach, gemach. Die laufen beziehungsweise schwimmen uns schon nicht weg. Erstmal wird gefrühstückt und dann marschieren wir los“, erwiderte Milan bestimmt.

Gesagt, getan. Endlich ging es los und Milan und Tilla machten sich auf den Weg zu den weisen Meerjungfrauen. Gegen Mittag, die Sonne stand schon hoch am strahlenblauen Himmel, erstreckte sich vor ihnen der unendliche Ozean. Die Wellen plätscherten sanft vor sich hin und säuselten ein leises Lied. Tilla kam aus dem Staunen kaum heraus. „Wow, wie schön!“, flüsterte sie.

Plötzlich trompetete sie los: „Hallo? Jemand zu Hause? Hallo, ihr Meerjungfrauen, wo seid ihr?“ Milan machte vor Schreck einen Satz nach hinten. „Meine Güte, Tilla, nicht so laut. Du benimmst dich ja wie der sprichwörtliche Elefant im Porzellanladen.“ Tilla erwiderte etwas pikiert: „Ich bin nun mal ein Elefant.“

Da tauchte auf einmal aus den Wellen ein seltsames Wesen auf: ein blauer Kopf, ein länglicher Körper mit orangen Schuppen, umgeben von grünlichen Schlingpflanzen, und eine blaue Schwanzflosse. Tilla starrte das Wesen verdutzt an. Milan schaute ebenfalls irritiert.

„Hallo, ihr zwei! Gestatten, ich bin Kunigunde. Was kann ich für euch tun?“, fragte sie freundlich. „Äh, nun, na ja, ich weiß nicht“, stammelte Tilla. „Eigentlich sind wir hier, um den weisen Meerjungfrauen eine Frage zu stellen. Tut uns leid, wenn wir dich gestört haben.“ „So, so“, Kunigunde lächelte amüsiert. „Die Meerjungfrauen sucht ihr. Zunächst stellt man sich erst mal vor, bevor man seine Fragen stellt“, schob sie hinterher. „Oh ja, natürlich“, entgegnete Tilla zerknirscht. „Also, ich bin Tilla und das ist Milan.“ „Ja, und ich bin die, die ihr sucht.“ Kunigunde neigte vornehm ihren Kopf. „Du bist eine Meerjungfrau?“, rutschte es Tilla raus. „Du siehst ja gar nicht aus wie eine.“ Milan verdrehte die Augen. „Mensch, Tilla“, murmelte er.

Kunigunde hob ihre Seitenflosse. „Aha, interessant. Aber ich bin nun mal eine Meerjungfrau. Wir können nämlich in vielerlei Gestalt daherkommen“, sagte sie ruhig. „Und du, du siehst ja auch nicht aus wie ein klassischer Elefant und Milan nicht wie ein ganz gewöhnlicher Hirsch. Und doch seid ihr ein Elefant und ein Hirsch.“ „Ja, du hast recht. Entschuldige bitte“, murmelte Tilla kleinlaut. „Eigentlich bin ich genau deshalb hier, weil ich anders bin als die anderen Elefanten. Ich würde zu gerne wissen, warum das so ist und warum ich oft abgelehnt werde.“ „Ich auch“, schob Milan schnell hinterher.

Kunigunde schaute beide lange an. Dann holte sie tief Luft und fing an zu reden: „Also, Tilla und Milan, das ist im Grunde gar nicht so schwierig. Du, Tilla, hast dir die Antwort fast schon selber gegeben. Wenn jemand anders aussieht als wir oder als das, was wir uns vorgestellt haben, reagieren wir erst mal erstaunt, sogar oft ablehnend. Elefanten sind grau, Hirsche braun und Meerjungfrauen sind halb Mensch, halb Fisch. Basta. Doch so einfach ist es nicht. Unser Schöpfer ist nämlich sehr klug. Er hat sich bei jedem einzelnen Wesen etwas dabei gedacht, als er es erschaffen hat. Und für ganz bestimmte Wesen hat er ein extra Geschenk: Sie bekommen ein besonderes Aussehen und viele noch eine ganz bestimmte Gabe mit auf den Lebensweg. Deswegen bist du, Tilla, bunt und kannst fantastische Geschichten erzählen. Und du, Milan, bist auch bunt, trägst den goldenen Gürtel und stehst ganz geerdet in der Welt. Naja, und ich? Ich bin halt eine Meerjungfrau, aber eben komplett in Gestalt eines Fisches und mit uraltem Wissen gesegnet. Die Ablehnung, die wir oft erfahren, ist im Grunde nur Angst – Angst vor dem Unbekannten. Ich wünsche mir so sehr, dass wir irgendwann alle diese Angst überwinden, friedlich miteinander leben und voneinander lernen können. Nun, habe ich euch beiden weiterhelfen können?“

Eine Weile sagte keiner etwas. Dann räusperte und verneigte Milan sich vor Kunigunde. „Vielen Dank. Ich habe zwar schon lange mit meinem Aussehen Frieden geschlossen, doch jetzt weiß ich auch, warum ich so bin, wie ich bin.“

Tilla schaute Kunigunde noch etwas fragend an. „Auch ich bedanke mich bei dir, liebe weise Kunigunde. Das war wirklich sehr hilfreich, und ich verstehe jetzt viel besser, warum ich so bunt bin und so besonders. Dass es ein Geschenk ist, macht es viel leichter. Doch ich wünsche mir auch wie du, dass alle friedlich miteinander leben würden.“

Wieder war es still. Nur das Meer plätscherte sanft vor sich hin. Noch einmal wandte sich Kunigunde an die beiden: „Ich weiß nicht, was jeder von euch vorhat, doch ich hätte eine Aufgabe für euch. Wie wäre es, wenn ihr weiter durch die Welt wandern und das, was ich euch erzählt habe, weitersagen würdet? Vielleicht fiele es auf fruchtbaren Boden. Ich finde, Tilla, da du so wunderbare Geschichten erzählen kannst, wäre das eine fantastische Aufgabe für dich. Und du, Milan, deine Aufgabe wäre es, auf die etwas verpeilte Tilla aufzupassen und sie zu erden, wenn sie mal zu sehr in den Wolken schwebt. Na, was sagt ihr?“

Tilla und Milan guckten sich verwundert an. Milan nickte und antwortete: „Klingt nicht schlecht. Ich würde sagen, wir lassen es erst mal sacken und überlegen es uns. Wir können uns ja in ein paar Tagen wieder hier treffen und dir Bescheid sagen.“ Tilla nickte zustimmend, und genauso vereinbarten es die drei.

Kunigunde tauchte wieder ins Meer ab, und Tilla und Milan machten sich auf den Weg zurück zur Lichtung.


Tja,die Geschichte ist erstmal zu Ende.

Ob sie wohl weitergehen wird?

Was meint ihr?