Follower

Mittwoch, 10. Juni 2026

Vom Wiederfinden

 


Pippi und Frida – Fundstück aus Cuxhaven

Frida ist gespannt auf Pippis Mitbringsel aus Cuxhaven und sehr erstaunt. Was hat Pippi mitgebracht ...?


Mittwochnachmittag. Frida sitzt schon ganz gespannt am kleinen Bistrotisch und wartet auf Pippi.

Endlich bimmelt das Glöckchen und Pippi kommt wieder schwungvoll zur Tür herein. Auf dem Kopf die obligatorische Mütze.

Im Vorbeigehen ruft sie Frida ein „Moin“ zu und eilt Richtung Theke.

Frida runzelt die Stirn und hebt eine Augenbraue.

Wenig später kommt Pippi zurück und setzt sich mit einem verschmitzten Lächeln hin.

Bevor Frida irgendetwas sagen kann, steht auch schon Maurice bei ihnen.

„Voilà, Mesdames“, sagt er gut gelaunt und stellt zwei Himbeertörtchen und zwei Espressi mit Vanilleeis auf den Tisch.

Frida schaut Pippi irritiert an.

„Was ist das denn?“

„Na, das siehst du doch“, erwidert Pippi unbekümmert. „Zwei Himbeertörtchen und zwei Affogato.“

„Ja, ja, doch das meine ich nicht.“

Frida ist leicht genervt.

„Ich bin schon die ganze Woche neugierig, was du aus dem Urlaub mitgebracht hast, und du stürmst erst mal zur Theke und bestellst etwas anderes als sonst.“

Pippi nimmt beruhigend Fridas Hand.

„Das gehört zu meinem Mitbringsel aus Cuxhaven. Ich habe keine Muscheln mitgebracht, keine Postkarten. Nicht mal ein neues Hobby.“

Frida schaut fragend.

„Sondern?“

Pippi nimmt einen Schluck Espresso.

„Mich selbst.“

Und dann beginnt sie zu erzählen.

„Weißt du, Frida, ich habe im Urlaub gemerkt, wie gut mir Leichtigkeit und das Spontane tun. Ich bin halt diese Mischung aus Pippi Langstrumpf und Erdmännchen. Zu dieser Erkenntnis bin ich im Urlaub gekommen. Und dazu stehe ich ab sofort.

Deswegen habe ich beschlossen: Die Nordsee fährt mit nach Hause.

Mein neues Motto:

Mehr Leichtigkeit – weg vom alten Zopf.“

Frida unterbricht Pippi.

„Aha, deswegen die Kuchenaktion heute.“

Pippi nickt.

Frida hebt die Augenbraue.

„Naja, stimmt schon. Pippi Langstrumpf und Erdmännchen passen zu dir. Und das merkt man auch jetzt, besonders nach dem Urlaub. Zwar noch ungewohnt, aber es gefällt mir gut.

Doch meinst du, dass du das auf Dauer beibehältst? So ein Urlaubsgefühl verfliegt doch nach einer Weile.“

Pippi schaut Frida mit leicht ironischem Blick an.

„So, meinst du? Das ist nämlich kein Urlaubsgefühl. Das ist ein wiedergefundenes Ich.

Der alte Zopf ist ab und schwimmt in der Nordsee.

Endgültig!

Nur mal ein Beispiel:

Vor zwei Tagen habe ich Blumen gegossen, einen Blumentopf versenkt, Wäsche gewaschen, meine verlorenen Stöcke wiederbekommen und gleich weiter verschenkt, war beim Kaffeenachmittag, habe mich zum Brunch und zu einer Ausstellung angemeldet und nebenbei noch eine Geschichte geschrieben und veröffentlicht. Und abends mit meinem Sohn telefoniert, einfach so."

Frida schaut Pippi verwundert an.

„Nein, Pippi, nicht dein Ernst?“

Pippi nickt.

„Freiwillig?“

Pippi nickt wieder.

Frida schüttelt den Kopf.

„Oh, da war das Erdmännchen aber auf Zucker. Und soll das jetzt ein Dauerzustand werden?“

Pippi schüttelt lachend den Kopf.

„Nein, Frida, natürlich nicht. Ich wollte nur zum Ausdruck bringen, wie lebendig meine Tage wieder sind.

Und so kleine Katastrophen erschüttern mich auch nicht mehr.

Das Erdmännchen hat sich nämlich auch  verändert. Es ist nicht mehr panisch, sondern freundlich und fragt nach. Es passt liebevoll auf mich auf.“

Pippi macht eine kurze Pause und lächelt Frida verschmitzt an.

„So wie du, liebe Frida.“

Frida hebt die Augenbraue.

„So, so. Ich bin also ein Erdmännchen. Das ist ja interessant. Aber eigentlich auch gut so. Stell dir mal vor, wir beide wären wie Pippi Langstrumpf.“

Pippi prustet los.

„Oh Mann, Frida, das wäre ein Chaos!“

Nun fängt auch Frida an zu lachen.

„Ja, ja, wir beide sind schon ein Gespann. Du Pippi Langstrumpf und ich das Erdmännchen. Doch deswegen sind wir ja schon seit Jahren beste Freundinnen. Wir ergänzen uns perfekt.“

Pippi nickt zustimmend.

Beide genießen noch ihren Kuchen und den Espresso.

„Weißt du, Pippi“, sagt Frida nach einer Weile, „das war eine richtig gute Idee mit dem Himbeertörtchen und dem Affogato.

Ich glaube, wir suchen uns jetzt jede Woche etwas Neues aus.“

Pippi klatscht begeistert in die Hände.

„Au ja, super Idee! So machen wir das.“

Anschließend verlassen Pippi und Frida gut gelaunt das „Chez Malou“.

So hat Pippis Reise an die Nordsee frischen Wind in den Mittwochnachmittag gepustet.

Mal sehen, was nächste Woche passiert ...



Mittwoch, 3. Juni 2026

Urlaubsimpressionen


 

Pippi und Frida – wenn eine eine Reise tut ...


Pippi ist wieder im Lande und hat eine Menge zu erzählen.

Es ist wieder Mittwochnachmittag, 15.00 Uhr. Frida wartet schon ganz entspannt auf Pippi.

Da bimmelt die kleine Ladenglocke und Pippi betritt schwungvoll das „Chez Malou“.

Auf dem Kopf eine flotte graue Mütze mit rosa Schirm und dem Aufdruck „Küstenkind“.

„Moin Frida“, begrüßt sie ihre Freundin gut gelaunt.

„Moin Pippi. Noch im Urlaubsmodus? Flotte Mütze.“

Frida schmunzelt.

„Danke. Und ja.“

Pippi lächelt sehnsuchtsvoll.

„Der Körper ist hier, die Seele noch am Meer.“

Auch Maurice begrüßt Pippi und stellt die übliche Bestellung auf den Tisch: Latte Macchiato und Erdbeertörtchen.

Frida trinkt einen Schluck Kaffee.

„Nun erzähl doch mal. Die Bilder auf Instagram waren schon vielversprechend.“

Pippi nimmt ebenfalls einen Schluck Kaffee und beginnt:

„Es war wunderschön. Das Wetter super – blauer Himmel, Sonne, Wolken und viel Wind. Außerdem war ich richtig abenteuerlustig. Eigentlich wollte ich es diesmal ruhiger angehen lassen.“

„Eigentlich ...“, fügt sie mit einem verschmitzten Lächeln hinzu.

„Oh oh, ich ahne es. Erdmännchenalarm!“, ruft Frida dazwischen.

Pippi nickt.

„Naja, ein bisschen schon. Am ersten Tag haben wir einen entspannten Strandspaziergang gemacht. Der Rückweg verlief allerdings schon anders als geplant. Die letzten Meter bin ich mit dem Bus gefahren, weil der rechte Fuß herumzickte.

In der Ferienwohnung hieß es dann: Fuß hochlegen, Creme drauf und Schmerztablette nehmen. Geholfen hat es nur bedingt.

Tag zwei: 

Ausflug zum Waldzoo in Wingst und zum Deutschen Olymp, einem wunderschönen Aussichtsturm. Natürlich wieder viel gelaufen, Meditationsschleifen inklusive.

Der undankbare Fuß war mega beleidigt und schmerzte vor sich hin. Dabei habe ich ihm so viel geboten: herrliche Natur, tolle Tiere und eine spektakuläre Aussicht vom Turm.“

„Pippi, Pippi, du machst Sachen“, wirft Frida kopfschüttelnd ein.

„Tja, das war noch nicht alles“, fährt Pippi fort.

Frida hebt eine Augenbraue.

„Tag drei war der Clou.“

Pippi erzählt weiter:

„Es sollte ein gemütlicher Ausflug nach Altenbruch werden – mit Schiffegucken vom Deich.

Dort angekommen erfuhren wir, dass der Bus laut Fahrplan und Auskunft der Einheimischen nur noch nachmittags und abends zurückfährt. Das haben wir leider nicht hinterfragt.

Also starteten wir erst einmal eine Besichtigungstour durch Kirche und Dorf. Beides wunderschön und interessant.

Im Anschluss ging es zum Schiffegucken. Der Weg dorthin kam uns ellenlang vor und ich war schon leicht genervt. Doch irgendwann erreichten wir den Strand und wurden mit einer fantastischen Aussicht belohnt.

Erst einmal Pause.

Wie geht es weiter?

Ich kam auf die glorreiche Idee, zu Fuß nach Cuxhaven zurückzulaufen. Laut Google Maps nur sechs Kilometer am Strand entlang.

Ich: "Super, das machen wir!"

„Nein! Ich glaube es nicht!“, ruft Frida entsetzt dazwischen.

„Doch, doch“, fährt Pippi fort.

Mein Mann fragte auch, ob ich das schaffe.

 Und ich, ganz Pippi Langstrumpf: "Ich habe es noch nie probiert, also schaffe ich das."

Gesagt, getan. Ein Eis als Wegzehrung und los ging es.

Zunächst war alles entspannt. Links Wasser und Schiffe, rechts Deich und Schafe. Nur kamen uns immer wieder Lastwagen entgegen.

An einer Gabelung bog der Radweg links ab, wir gingen jedoch geradeaus weiter. Ein fataler Fehler. Der Weg endete vor einem Werkstor. Ein unfreundlicher Mitarbeiter ließ uns nicht passieren.

Also alles retour.

Ich war zum zweiten Mal genervt und brummelte vor mich hin.

An der Dicken Berta, dem alten Leuchtturm, machten wir Pause und hielten Lagebesprechung. Wir entschieden uns, bis zu einer Bushaltestelle zu laufen, die nur zwanzig Minuten entfernt sein sollte.

Auch das klappte nicht wie geplant.

Wir marschierten wieder eine gefühlte Ewigkeit durch sengende Hitze ohne Schatten. Zwischendurch ging der Rucksack meines Mannes kaputt, ich bekam Nasenbluten und der Fuß schmerzte höllisch.

Irgendwann erreichten wir zum Glück eine Haltestelle – total am Ende, aber auch stolz, es geschafft zu haben.“

„Du liebe Güte, Pippi“, meint Frida kopfschüttelnd. „Das war ja ein Abenteuer. Pippi Langstrumpf und Erdmännchen im Doppelpack.“

Pippi nickt.

„Ja Frida, da hast du komplett recht.

Als wir wieder in Cuxhaven waren, wurde sich erst einmal im Café gestärkt. Zurück in unserer Unterkunft ging dann allerdings nichts mehr.

Der rechte Fuß und das linke Knie gründeten einen Betriebsrat und traten in Streik.

Ihre Forderung lautete: "Keine Gewaltmärsche mehr – ab sofort!"

Ich bin dann eingeknickt und die letzten Urlaubstage wurde der Schongang eingelegt.

Aber ich muss sagen: Es war trotzdem ein fantastischer Urlaub. Kein klassischer Touriurlaub, sondern einfach auf eigene Faust losziehen, viele Kleinigkeiten entdecken, Meditationsschleifen inklusive.

Irgendwie waren wir immer zur rechten Zeit am rechten Ort.

Dadurch haben wir die MS Deutschland, das ursprüngliche Traumschiff, die AIDAperla und eine Segelschiffparade mit rund fünfzig Schiffen gesehen.

Außerdem haben wir herrliche Sonnenuntergänge bestaunt und einfach nur mal dagesessen und nichts gemacht.“

„Ach Pippi, das hört sich wirklich nach einer gelungenen Urlaubswoche an. Und weißt du was? Du wirkst richtig erholt und entspannt.

Du bist halt eine Mischung aus Pippi Langstrumpf und Erdmännchen. Genau das macht dich aus.“

Frida lächelt Pippi liebevoll an.

Pippi schmunzelt.

„Danke, Frida. Ja, das bin ich wirklich.

Doch es war jahrelang zugeschüttet und ich habe es jetzt endlich wieder ausgegraben. Das habe ich besonders in diesem Urlaub gespürt.

Und noch etwas habe ich aus diesem Urlaub mitgebracht. Doch davon erzähle ich dir nächste Woche.“

„Na, da bin ich gespannt“, erwidert Frida.

Beide Frauen sitzen noch eine Weile zusammen und genießen das Leben um sich herum.

Nachdem sie bezahlt haben, verlassen sie beschwingt und gut gelaunt das „Chez Malou“.



Küstenkind. 🌊⚓🩷